Public world in Private space – Dinner im Salon – 2001
Wie schon im Jahr 2000 haben wir auch 2001 diverse inspirierende Abendessen mit professioneller Unterstützung durch unsere Köchin Claudia Buchmaier veranstaltet. Es waren immer unterschiedliche Gruppen, letztlich eine Neuinterpretation des guten alten Salons. Zu guten Mahlzeiten gehören nicht nur die Zutaten, sondern ebenso die Menschen, mit denen wir gemeinsam Zeit verbringen: nette Gespräche und gutes Essen, ein Austausch zwischen verschiedenen Lebensentwürfen machten diese Abende so spannend. Gemeinsame Zeit ist wertvoll. Und: „ A public world in a private space. “
- Susanne Seidler (Gehrckens), Roman Sauermann, Joachim von Arnim, Udo Graf Lambsdorff, Annette und Michael Karbacher, Henning Giesecke und Frau, Andi Wrba und Frau, Ziggy und Lucia Nuemann, Fabio Zoffi, Birgit Denk, Jasmin und Michael Plank, Bernd und Nadine Sannwald, Gaby und Dirk Schöppner, Martin & Eva Kühner, Christian von Bechtolsheim, Annette und Michael Kamm
Zur Einstimmung erst einmal etwas Grünes.
Wir freuen uns auf unsere Gäste. Und sind jedesmal wieder gespannt, wie die Konstellationen interagieren werden.
Jede und jeder unserer Gäste bringt einen eigenen Esprit mit.
Meistens funktioniert die Mischung sehr gut.
Schliesslich haben Ette und ich die jeweilige Gästeliste feinsinnig kuratiert.
Aus den unterschiedlichsten Berufssparten kommen unsere Gäste.
Einige von ihnen kennen wir schon sehr lange.
Eine gute Mischung, begleitet von den köstlichen Speisen unserer Köchin Claudia Buchmaier und einem ausgewähltem guten Tropfen, führt zumeist zu angeregten Diskussionen.
Diese schöne Einrichtung lässt die Idee des Salons als ein Ort, der politisch und gesellschaftlich neutral war, wieder aufleben.
So unterschiedlich die Gäste
so unterschiedlich die Meinungen.
Der Spaß kommt nie zu kurz
Humor ist ganz wichtig,
wie schon Charles Dickens wusste:" Der Humor nimmt die Welt hin, wie sie ist, sucht sie nicht zu verbessern und zu belehren, sondern mit Weisheit zu ertragen."
Alle sind satt, die Teller leer. Noch lange ist nicht alles gesagt...
Die Salonkultur: Soziale Netzwerke sind keine Erfindung der Gegenwart. Auch in früheren Jahrhunderten fanden sich immer schon Gleichgesinnte zusammen, gründeten Clubs, knüpften Netzwerke. Heute trifft man sich bei Facebook, Twitter, Instagram – damals traf man sich im Salon. Konversation im „bureau d’esprit“ Ursprünglich bezeichnet der Begriff Salon, der im 16. Jahrhundert im Französischen entstand, ein großes Zimmer, besser: einen Saal in einem großen Haus. Den „Salon“ als ungezwungenes Zusammentreffen von Menschen, die sich regelmäßig bei einer Gastgeberin einfanden, um für ein paar Stunden Konversation bei Tee, Punsch oder Champagner zu betreiben, gab es schon lange, bevor man ihn so nannte. Im 16. Jahrhunderte blüht er in Italien als „Res publica Literaria“ auf, als „Gelehrtenrepublik“, ab dem 17. Jahrhundert in Frankreich als „Republiqué des Lettres“. Die Marquise du Deffand lädt Voltaire und andere geistreiche Persönlichkeiten im 18. Jahrhundert in ihr Pariser „bureau d’esprit“. In Berlin fällt die aus Frankreich adaptierte Idee der Salonkultur ab dem Ende des 18. Jahrhunderts auf fruchtbaren Boden: In Preußens Hauptstadt wimmelt es nicht nur von Studenten, Künstlerinnen, Diplomaten, Schauspielerinnen und gelangweilten Adelsprössen, sondern auch von aus Frankreich vertriebenen Hugenotten. Und alle sind sie ausgehungert nach intellektuellem Austausch. Nur zu gerne folgen sie den Einladungen der jüdischen Berlinerinnen wie der Schriftstellerin Henriette Herz, die mit ihrem Ehemann eine Art Doppelsalon betreibt – der Arzt Marcus Herz führt bei seiner parallel stattfindenden Mittwochsgesellschaft gerne physikalische Experimente vor – oder wie Rahel Levin, zu deren „Nachttee“ in ihrer Wohnung am Gendarmenmarkt sich jene bunt gemischte Gesellschaft versammelt, deren „Habitués“ heute als „Who is Who“ der Wende zum 19. Jahrhundert gelten. Damals waren viele ihrer heute berühmten Gäste noch unbekannt. Für die Zusammenkünfte bei Rahel Levin galt ganz besonders, was auch in manch anderen Salon versucht wurde: gesellschaftliche Grenzen zu nivellieren. Adel trank hier Tee mit dem Bürgertum, Judentum traf Christentum, Politiker disputierten mit Gelehrten, Frauen mit Männern. Worüber sie sich unterhielten, spiegelt – wenig überraschend – die Zeit: In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist die Entdeckung der „Neuen Welt“ und alles, was damit zusammenhängt, Gesprächsthema Nummer eins. In den französischen Salons des 18. Jahrhunderts redet man sich die Köpfe heiß über spektakuläre Erkenntnisse der Naturwissenschaft und über die Ideen der Aufklärung. Und in den deutschen Salons der Romantik dreht sich die Konversation um Musik, Literatur, Kunst, Wissenschaft – und auch um Politik, spätestens, als Napoleon Europa überrennt und das große Vorbild Frankreich plötzlich zum Feindbild wird.
Fehler entdeckt, Änderungen & Ergänzungen gewünscht sowie eigene Photos zur Vervollständigung verfügbar? Bitte gerne per Mail an Michael@Kamm.info.