Aigner Boom Region Middle East – Emiratis Gigantismus in Dubai – 2004
Im März hatte ich den gesamten nahen und mittleren Osten in meinem Vertriebs- und Marketing Fokus. Beirut, Kuwait, Riyadh, Jeddah, Damman, Alcobar, Abu Dhabi und Sharjah - jeweils maximal ein Tag vor Ort und überall eng getaktete Termine. Im super konservativen Saudi Arabien war ich mit dem langjährigen Aigner Middle East Handelsvertreter Georg Stersek allein unterwegs - da Damen ohne Schleier hier nicht so gern gesehen sind. An meinem letzten und etwas liberaleren Ziel Dubai traf ich mich dann mit Monica Billes, unserer in München ansässigen Aigner Vertriebs Verantwortlichen für diesen Teil der Welt. In Dubai-Jumeirah stand eines der weltweit grössten Einkaufszentren - die Mall of the Emirates - mit 223.000 qm Verkaufsfläche kurz vor seiner Eröffnung und da durfte Aigner nicht fehlen. Mit unserem neuen Partner vor Ort, der Paris Gallery, einem business Konsortium, das sich im Middle East Bereich auf Luxusgüter spezialisiert hatte, besprachen wir das letzte Finetuning unseres neuen Flagship Shops. Das waren harte Gespräche, aber wir waren alle in Aufbruchstimmung und wollten den Luxushype der Emiratis weiterhin für uns in bare Münze wandeln. Denn keiner wusste wie lange die Ölvorkommen noch den mit blossem Auge wahrnehmbaren Gigantismus finanzieren würden. Dessen waren sich auch die Familienmitglieder der Al Maktoum Herrscherdynastie bewusst und begannen früh ihren Standort durch den Finanzsektor weiterhin begehrlich zu halten. Auch der architektonische Wahnsinn stand 2004 in den Startlöchern, denn "the palm" entstand gerade. Artifizielle kleine Inseln für Superreiche und Luxusresorts, die in Form einer Palme aufgeschüttet wurden. Von oben zugegebenermassen ein wunderbarer Anblick. Die Erde wurde dem Meer abgetrotzt und das ein oder andere Mal rächte sich das, denn die kleinen Inselchen waren teilweise von ihrer eigenen Kloake umgeben. Die Emiratis verrechnen sich scheinbar auch mal. Auf "The Palm" folgte wenig später "The World", einer ebenfalls künstlichen Insel-Aufschüttung und Abbildung der Kontinente. Da kann so ein kleiner Bungalow auf einem Inselchen schon mal 40 Mio US$ kosten. Egal wie oft und regelmässig man in diese Region fliegt, man hat immer das Gefühl, das das, was vor einem steht, beim letzten Mal noch nicht da stand. In der Rückschau kann man das von deutschen Bau-Projekten in Berlin und Stuttgart nicht gerade behaupten..
- Monica Billes, Georg Stersek & Michael Kamm
Da muss man den Kopf schon ganz nach hinten legen, um auch bis zum obersten Stockwerk der Maiskolbenarchitektur der Halle des Luxushotels Burj al Arab zu schauen
Hier sieht man das Burj Al Arab - der "Turm der Araber" - mit 321 Metern und aussergewöhnlichster Architektur das Wahrzeichen von Dubai von außen. Fertig zum Segel setzen
Monica Billes - unsere Middle East Vertriebschefin - geht nur zögerlich an die Fensterfront des Burj Al Arab um den Ausblick auf "The Palm" und "The World" zu geniessen. Ganz oben befindet sich übrigens ein Restautant mit phantastischem Ausblick
Kilometerlange weisse Sandstrände und Badewannen-warmes Wasser ... unter uns am Strand liegen die Luxus Hotels Jumeirah Madinat und Al Qasr ... dahinter ist der Palast der Herrscherfamilie zu sehen
The Palm wird gerade aufgeschüttet und die meisten Inselchen mit ihren Luxusvillen sind schon zu Unsummen verkauft
Wenn man ausschließlich von highrises umgeben ist, kann einem der Sinn ja schon mal nach einem Insel-Bungalow stehen
Um Alternativen zu den in der Zukunft sicher versiegenden Einnahmen aus Öl und Gas zu kompensieren, wurde 2004 das Dubai International Financial Centre gegründet. Es ist eine Sonderwirtschaftszone mit einer Fläche von 110 ha und ein Finanzzentrum für die Märkte des Nahen Ostens, Afrikas und Südasiens ist. Das DIFC verfügt über ein eigenes unabhängiges, international reguliertes Regulierungs- und Justizsystem, einen gemeinsamen Rechtsrahmen, einen globalen Finanzaustausch und ein steuerfreundliches Regime. Die Freundlichkeit des Regimes scheint aber ausschließlich der Steuer vorbehalten zu sein, wenn man sich die Entwicklung der Menschenrechte in diesem Land ansieht.
Palm Islands sind zwei künstliche Inselgruppen „The Palm, Jebel Ali“ und „The Palm, Jumeirah“, die seit 2001 in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, gebaut werden. Bislang ist nur „The Palm, Jumeirah“ bebaut und befahrbar, bei „The Palm, Jebel Ali“ ist bisher nur die Landgewinnung abgeschlossen und die ursprünglich geplante dritte Inselgruppe „The Palm, Deira“ wurde während der Landgewinnung eingestellt und eine kleinere Inselgruppe umgestaltet (Deira Islands). Jede der beiden Inselgruppen wurde in Form einer Palme angelegt. Der „Palmenstamm“ ist bei den Projekten „Jebel Ali“ und „Jumeirah“ 5 bzw. 4 km lang. Diese Projekte sind möglich, weil der Persische Golf ein Schelf- oder Epikontinentalmeer mit einer vergleichsweise geringen durchschnittlichen Wassertiefe ist. Die Inseln bestehen mindestens aus rund 100 Millionen Kubikmeter Fels und durch ein spezielles Rüttelverfahren verdichtetem Meeressand. Allein „The Palm, Jumeirah“ verlängert die Küstenlinie Dubais um ca. 100 km. Beide Palm Islands sind im Besitz von Nakheel, der staatseigenen Entwicklungs- und Baugesellschaft. Der Gründer der Kabul Bank, Sherkhan Farnud, investierte etwa 160 Millionen Dollar in 35 Luxusvillen auf den Inseln.
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