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Blühende Landschaften – Görlitz in der Oberlausitz – 2013

Am Mi., 25. September 2013

Der Begriff blühende Landschaften war 1990 die bildhafte Vision des damaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl als ökonomische Zukunftsperspektive für die „neuen Bundesländer“. Bei meinem Besuch in Görlitz in der Oberlausitz mag das für die erste Reihe auch stimmen, alles ist frisch renoviert und schmuck hergerichtet, allerdings ist der Eindruck und die Substanz in der zweiten Reihe desatrös. Aber dennoch, die Görlitzer Altstadt ist ein Juwel. Die stolze Bürgerstadt hat nach der friedlichen Revolution eine wahre Auferstehung erlebt. Ein Großteil der historischen Bausubstanz war verfallen. Selbst viele Görlitzer hatten die wahre Schönheit und Einzigartigkeit ihrer Stadt fast vergessen. Das Ende der DDR bedeutete die Rettung in letzter Minute. Es begann ein gewaltiger Wiederaufbau, der seines gleichen sucht. Der Bund, der Freistaat, die Stadt und allen voran die Görlitzer selbst haben das ermöglicht. Görlitz ist eine knappe halbe Stunde nördlich von Zittau, einer weiteren Stadt in der Oberlausitz mit einer schön renovierten Altstadt, die allerdings nicht das Niveau von Görlitz erreicht. In Zittau war ich durch meine Verantwortung für die dort ansässige Ploucquet GmbH über einige Jahre monatlich vor Ort und konnte - wie im September des Jahres - immer wieder mal einen Ausflug nach Görlitz machen.

Mit dabei
  • Michael Kamm

Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bewahrt geblieben, gilt Görlitz als ein Kleinod Europäischer Städtebaukunst – ein Ensemble von der Gotik über die Renaissance, Barock und die Gründerzeit mit über 4000 Einzeldenkmälern. Durch glückliche Umstände ist die Görlitzer Altstadt uns heute noch fast unverändert erhalten. Selbst der Baupolitik der DDR gelang es nicht, die Altstadt zugrunde zu richten.

Hier kann man es schon sehr gut sehen; seit Anfang der 1990er-Jahre sind in die Sanierung von Görlitz etwa eine Milliarde Euro öffentliche und private Mittel geflossen. Es ist viel geschafft, doch 30 bis 40 Prozent der Bausubstanz wurden seit 1945 noch nicht gemacht.

Das kann man ein paar Straßen weiter sehr gut sehen. Aber, Görlitz verfügt über das größte und besterhaltene Gründerzeitviertel Deutschlands. Als sich 1989 die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik öffnete, zeigten sich in der Innenstadt von Görlitz graue Fassaden, baufällige Häuser und leer stehende Quartiere. Doch hinter diesem trostlosen Anblick verbarg sich bis auf wenige Ausnahmen eine strukturell vollständig erhaltene Stadt mit Altstadt und Gründerzeitvierteln.

Hier hat auch der Charme des Verfalls einen gewissen Reiz. Übernachtet habe ich dann aber doch woanders.

Görlitz war schon zu DDR DEFA-Zeiten eine Filmkulisse für zahlreiche Fernsehproduktionen. Der große Durchbruch und Bekanntheitsgrad von Görlitz kam mit dem Mauerfall und mit Hollywood-Produktionen wie zum Beispiel „In 80 Tagen um die Welt” mit Hauptdarsteller Jackie Chan und Arnold Schwarzenegger. Auch die Hollywood-Produktion „Der Vorleser (The Reader)” mit Kate Winslet und David Kross haben Görlitz als Filmstadt weltweit bekannt gemacht. Hinzu kommen unzählige Fernsehproduktionne, Kurzfilme und Dokumentationen die auch zum Titel „Filmstadt” beigetragen haben. Görlitz - die Kulisse für New York, Heidelberg und Paris. Barocks, des Jugendstils und Quartiere der Gründerzeit, verzierten Fassaden, kunstvolle Gewölbe sind gerade für historische Szenen wertvoll. Heute wird die Stadt liebevoll „Görliwood” genannt, und der größte Teil des Kinofilmes „The Grand Budapest Hotel” wurde in Görlitz gedreht. Hauptdrehorte sind Teile der Görlitzer Altstadt (meist der Untermarkt), einzelne Villen und Gebäude die den 2. Weltkrieg ohne Schaden überstanden haben. Görlitz ist auch ein Schauplatz vieler Stilbegegnungen wie Renaissance, Barock und Gotik, und Filme wie „Goethe!” oder „Die Vermessung der Welt” nutzten diese Gegebenheiten.

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