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Bobby Fischer & Boris Spasski – Fischerei Krieg und Schach WM – Island – 1972

Von Mi., 16. August 1972 bis Sa., 26. August 1972

Im Sommer 1972 unternahm ich mit meinen Eltern sowie meinen beiden Geschwistern Thomas und Ulrike eine spektakuläre Familienreise mit dem Passagier- und Frachtdampfer Gullfoss von Edinburgh in Schottland nach Keflavik auf der Insel Island. Das allein war für uns Kids schon sensationell genug, aber es wurde dann noch besser. Zeitgleich zu unserer Reise kam es zum Schachduell im kalten Krieg zwischen den Großmächten Amerika und Russland und des Weiteren auch noch zu einem Krieg um kalten Fisch zwischen den Isländern und den europäischen Anrainerstaaten der Nordsee! Die in diesem Jahr aufsehenerregende Schach Weltmeisterschaft in Reykjavik wird in einer Halle neben unserem Hotel ausgetragen. Am Ende der 21. Partie gab der Russe Boris Spasski auf. Mit dem US-Amerikaner Bobby Fischer hatte erstmals kein Russe gewonnen. Hier wurde Geschichte geschrieben! Wir haben neben Sightseeing in der Hauptstadt ausreichend Zeit, die Einmaligkeit der isländischen Natur zu erkunden, die Vielfältigkeit und erstaunlichen Aussichten zu genießen, all die Gletscher und Wasserfälle zu bestaunen und die unfassbare Wildheit und Unberührtheit der Natur einzusaugen. Über die beiden Kriege habe ich mich auf unserem Rückflug umfassend schlau gemacht, da mein Sitznachbar im Flieger von Island nach Deutschland der Journalist und Initiator der ARD Sendung Weltspiegel Gerd Ruge war, den ich mit meinen Fragen unterhielt. Direkt nach der Landung in Frankfurt fuhren wir flott nach Hause in Warmbronn bei Stuttgart, um uns dort vor den Fernseher zu setzen, da am Tag unserer Rückkehr die Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele in München stattfand.

Mit dabei
  • Uta, Karl-Heinz, Ulrike, Thomas & Michael Kamm

Der kalte Wind und die ungezähmte Wildheit und Kraft der Natur hier auf Island machen es uns gar nicht so leicht, für das kleine Gruppenbild ruhig zu stehen. Die Aufnahme vor dem beindruckenden Gullfoss Wasserfall ist für Island Touristen ein Muss!

So eine Schiffspassage ist schon etwas wunderbar entspanntes. Allerdings erst nachdem wir zwei Tage Seekrankheit überstanden haben. Der Nordatlantik zeigte sich auf unserem Trip von seiner unfreundlichen Seite, was dazu führte, daß wir uns mehrfach erleichterten und eine Weile gebraucht haben bis wir unser Unwohlsein alle überstanden haben.

Der Wasserweg nach Island war durch die meterhohen Monsterwellen, die während unserer Überfahrt fast immer von vorne kamen, so ungemütlich und gnadenlos, daß unser bereits etwas betagter Dampfer doppelt so lang zwischen Schottland und Island unterwegs war, wie im Normalfall.

Für uns Kinder gab es natürlich auch immer einiges zu entdecken auf so einem Schiff.

Hier kommt der Hafenschlepper von Kevlavik, der uns auf den letzten Metern bis zum Festmachen an der Pier begleite

Hier ein kurzer Ausflug in die Geschichte: Wir schreiben das Jahr 1972: Die drei so genannten Kabeljaukriege (englisch Cod Wars) waren Konflikte um Fischereirechte, die sich vornehmlich zwischen Island und dem Vereinigten Königreich in den Jahren 1958–1975 entwickelten. Auch die Bundesrepublik Deutschland war an einigen dieser Streitigkeiten beteiligt. Island weitete seine Fischereigrenzen von vier auf zwölf, dann auf 50 und zuletzt auf 200 Seemeilen aus, was den Interessen Großbritanniens und weiterer Staaten entgegenstand und zu diplomatischen Verwicklungen führte. Trotz ihrer Benennung waren die „Kriege“ keine militärischen Konflikte und verliefen weitgehend unblutig. Das einzige Todesopfer starb in Folge einer Schiffskollision. Island konnte seine Interessen in allen Konflikten durchsetzen.

Angekommen. Nach dieser spannenden Überfahrt erwarten uns weitere Abenteuer auf dieser einzigartigen Insel. Island ist ein nordischer Inselstaat, dessen spektakuläre Landschaft durch Vulkane, Geysire, Thermalquelle und Lavafelder geprägt ist.

Durch die zahlreich vorhandenen natürlichen Wärmequellen auf der Insel Island ist es auch möglich günstig Energie zu erzeugen. Im Bild ist eine große Aluminiumschmelze, die unser Vater als stets interessierter Giesserei-Ingenieur dann auch aus beruflichen Gründen besucht hat

Kurzer Wechsel des Fortbewegungsmittels: Die beste Möglichkeit die wilde Schönheit der Landschaft zu erfassen ist natürlich aus der Vogel Perspektive. Hier fliegen wir von der Hauptstadt Reykjavik in die weit im Norden gelegene Stadt Akureyri, um von dort aus in die Welt der Geysire aufzubrechen

Was die isländische Wildnis so außergewöhnlich und weltweit besonders macht, ist auch ihre Unberührtheit von menschlichen Einflüssen.

Von Akureyri aus fuhren wir zum Myvatn See, der sich im Gebiet des Krafla-Vulkansystems befindet. Von hier aus ging es weiter nach Hverir, einer Gegend mit vielen heißen Quellen, blubbernden Schlammtöpfen und Fumarolen. Wir haben uns dort tatsächlich in die Badehose geschmissen, sind in Erdspalten gestiegen um unterirdisch in warmen Wasser zu baden. Echt cool ... kann ich mich erinnern. Zudem gab es in dieser abgelegenen Region herrliche Flüsse mit Fischfarmen, die grandiose Angel Möglichkeiten anboten.

Island ist eines der wenigen Länder in der Welt, das keinem anderen gleicht. Seine Landschaften wurden durch jahrtausendelange Vulkantätigkeit, extreme Wetterverhältnisse und das Wirken mächtiger Gletscher geformt und sind ebenso vielfältig wie spektakulär.

Die Kombination aus hohen Bergen, riesigen Berggletschern und dem nordatlantischen Klima mit Kalt- und Warmperioden und atmosphärischen Niederschlägen hat eine einmalige Landschaft von Wasserfällen in Island erschaffen. Es gibt mehr als 100, und einige von ihnen bestehen aus einer Reihe Wasserfällen! Manche sind immer noch unbenannt.

Überall brodelnde Geysire. Der Vulkanismus der Insel resultiert aus ihrer geographischen Lage im Verhältnis zu den Kontinentalplatten: Sie befindet sich direkt über dem Mittelatlantischen Graben, der Nordamerika und Eurasien trennt. 

Die wohlgewählte Farbigkeit der Kleidung lässt meinen Bruder Thomas geradezu mit dem Hintergrund verschmelzen.

Die Weltrangliste der Wasserfälle beinhaltet tatsächlich 2 Wasserfälle Islands in der Top 10: Gullfoss, am Hvítá Fluss (der weiße Fluss) in Haukadalur in Südisland, auf der bekannten Straße des Goldenen Kreis;

Geologisch gesehen ist Island demnach ein junges Land, das bis heute durch seine anhaltende vulkanische Aktivität gestaltet wird.

Island ist wahrhaft ein Land von Eis und Feuer – seine Wildnis wurde von diesen beiden Elementen geformt. Das erste davon war das brodelnde Feuer, das die Insel vor ca. 16 Millionen Jahren inmitten des kalten Nordatlantiks entstehen ließ.

Die Insel bietet schwarze Sandstrände, elektrisch-blaue Eiskappen, dramatische Fjorde, Vulkankrater und endlose Lavafelder. Wir sind regelrecht überwältigt von der abwechslungsreichen Landschaft.

Bobby Fischer, der in diesem Jahr 76 geworden wäre, ist für etwa zwei Jahrzehnte, ab Mitte der 1950er Jahre, eine Größe im Schach. Zunächst wird er in seiner Heimat, den USA, als Wunderkind des Spiels bestaunt, dann weltweit als meist aggressiver, gnadenlos attackierender Meister gefürchtet. „Ich mag den Moment, wenn ich das Ego eines Mannes breche“, hat er damals gesagt. Anfang der 1970er Jahre gelingt es Fischer, die Jahrzehnte anhaltende Dominanz der russisch-sowjetischen Schachweltmeister zu brechen. Der schlaksige Amerikaner wird für viele eine Symbolfigur für die angebliche Überlegenheit des Westens im Kalten Krieg. Noch heute erscheinen Bücher und Filme über Fischer. Der norwegische amtierende Weltmeister Magnus Carlsen, der ebenfalls auf eine Vergangenheit als Schachwunderkind zurückblicken kann, sagte vor drei Jahren, Fischer wäre ein Traumgegner. Er ist eine Legende schon zu Lebzeiten und ein Erneuerer des uralten Spiels. Und Island war der Ort seines größten Triumphs. Ab dem 11. Juli 1972 spielen in einer Sporthalle in Reykjavík der damals 35 Jahre alte amtierende Schachweltmeister Boris Spasski aus der Sowjetunion und Bobby Fischer, 29, um den Weltmeistertitel. Es werden 21 Partien in knapp zwei Monaten – ein weltweit beachtetes Spektakel, auch dank der teilweise skurrilen Marotten der beiden Spieler. Schon nach dem ersten Spiel weigert sich Fischer weiterzuspielen, solange nicht alle Kameras entfernt worden seien: Sie surrten zu laut. Das dritte Spiel, das verlangt Fischer ultimativ, wird in einem Nebenraum ohne Zuschauer gespielt. Das Publikum im Saal bekommt lediglich eine TV-Übertragung zu sehen. Zum vierten Spiel kehren Spasski und Fischer wieder in den Saal zurück, auch wenn sich Fischer beklagt, dass das Schachbrett zu viel Licht reflektiere. Spasski beklagt sich seinerseits über ein angebliches Hilfsgerät der Gegenseite, mit dem seine Gehirnwellen gestört würden. Der Wettkampf wird von Fachleuten häufig als das „Match des Jahrhunderts“ bezeichnet und endet mit einem beeindruckenden 12,5:8,5-Sieg Fischers. Es wird sein einziger Weltmeistertitel bleiben.

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