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Brasilianischer Großstadt-Dschungel – Schlaflos in Sao Paulo – 2012

Von So., 11. März 2012 bis Di., 13. März 2012

Sympatex war zu meiner Zeit als kleiner Mittelständler so international aufgestellt, daß wir sogar in Brasilien vertreten waren. Ein riesiges Land in Südamerika, in dem einiges an geschäftlichem Potential schlummerte, um das sich unser Partner ITM vor Ort bemühen sollte. Ansässig im Südosten des Landes - in Farroupilha - kümmerte er sich hauptsächlich um die Business Unit Schuhe. Im März flog ich nach Sao Paulo, wo wir uns für ein Meeting verabredet hatten. Für unsere Geschäftspartner war es ein entspannter Trip von ca. 1.000 km nordwärts, für mich ein ermüdender 13 Stunden Flug von München aus. Schon beim Einsteigen ins Taxi am Airport war ich auf der Hut, denn die Stadt hat es in sich und die extrem hohe Kriminalitätsrate kann sich sehen lassen. Sao Paulo Capital ist die gleichnamige Hauptstadt vom Bundesstaat Sao Paulo - einem der bevölkerungssreichsten und wirtschaftlich bedeutendsten der 27 Bundesstaaten. Die Bewohner der Megacity und größten Stadt Brasiliens heissen Paulistanos und mit 14 Mio Individuuen ist es einfach nur laut, eng und heiss. Gerne hätte ich auf dieser Reise ab und zu den "Exit " genutzt, um aus dem gigantischen Chaos zu entfliehen. Leider hatte ich diesmal auch nicht unseren Südamerika-Spezialisten Nicolas Moller dabei, der sich in Vorbereitung auf sein neues Aufgabengebiet in einen Crashkurs Portugiesisch gestürzt hatte. Trotz seines spanischen Ursprungs hat er sich mit der Sprache extrem schwergetan. Ich musste mit Englisch und Übersetzer weiterkommen, was aber auch funktioniert hat.

Mit dabei
  • Michael Kamm

Sao Paulo, eine gigantische und chaotische Stadt in Südamerika. Angeblich ist hier der wahre Großstadtdschungel zu finden, nicht im geordneten, schachbrettartigen New York. Nach Tokio und Mexiko-City ist Sao Paulo zur Zeit der drittgrößte urbane Ballungsraum der Welt.

Wenn die Sonne untergeht wird alles sanfter. Die dramatische Bevölkerungszunahme verursacht jedoch zahlreiche Probleme, wie zum Beispiel das ungeplante und ungehinderte Wachstum der Elendsviertel, den so genannten Favelas. Die Slums wachsen in Sao Paulo teilweise vertikal und die restliche Stadt mit ihren Gebäuden wirkt nicht wie ein Festkörper, sondern scheint in ständiger Bewegung zu sein. Außerdem ist Sao Paulo eine Stadt mit gefährlich hohen Umweltbelastungen sowie permanent wachsender Kriminalität, vor allem in den Armenvierteln. Vor kurzem überflügelte die Stadt sogar Rio de Janeiro mit der erschreckenden Bilanz von jährlich 60 Morden pro 100.000 Einwohner.

Auf den Strassen sieht es ziemlich deutsch aus. Gemeinsam mit Buenos Aires stellt Sao Paulo das Herzstück des 1993 gegründeten Mercosul dar, einem wirtschaftlichen Zusammenschluß von Brasilien, Argentinien, Chile, Uruguay und Paraguay. Zahlreiche internationale Unternehmen, darunter auch viele deutsche Firmen, sind hier angesiedelt und machen Sao Paulo so zu einem der weltweit bedeutendsten Wirtschaftsstandorte und dem wichtigsten industriellen Standort der Dritten Welt.

Sao Paulo ist das wichtigste Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum des Landes sowie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Die Stadt ist durch zahlreiche Einwanderer aus aller Welt multikulturell geprägt mit wesentlichen portugiesischen, italienischen, deutschen, libanesischen und japanischen sowie afrobrasilianischen Einflüssen. Alles den Zeiten des Kaffeebooms geschuldet, der dem Land im 18. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf, bevor die Industrialisierung einsetzte. Ein klassischer Melting-Pot - da war der Name Programm bei 30 Grad im Schatten. Neben meinen Meetings mit ITM stand auch noch ein Gespräch mit einem Folienanbieter auf dem Programm. Sinnigerweise trat der vor Ort mit dem Namen Simpatex auf und hatte auch noch eine ähnliche Gestaltung in Sachen Logo. Da mussten wir mal wieder in unser heimisches Markenrechtsportfolio schauen! Nur bei den Fahrten zwischen den Gesprächen hätte ich mir gewünscht in einem der zahlreichen Helikopter zu sitzen, die Tag und Nacht in einer immensen Dichte am Himmel kreisten. In Sao Paulo hat man als Wirtschaftsboss keinen Driver, sondern einen VIP-Piloten, der 24/7 zur Verfügung steht. Wenn es mit der Bevölkerungsexplosion, die man bis 2050 auf 26 Mio schätzt, so weiter geht, wird es wohl am Himmel auch Ampeln geben müssen. Für einen architektonischen Ausflug zu den legendären Gebäuden von Oscar Niemeyer hat es leider nicht mehr gereicht. Schade, denn er verstarb leider ein paar Monate nach meinem Trip...

Kaffeeanbau und Industrialisierung Avenida Paulista 1902 Die wirtschaftliche Bedeutung São Paulos änderte sich rasch, als der Anbau von Kaffee, der um 1850 über das Rio-Paraíba-Tal die Stadt erreichte, sich im Hochland von São Paulo unter günstigen Klima- und Bodenbedingungen und steigender Kaufkraft in Europa ab den 1880er Jahren flächenhaft in nördliche und nordwestliche Richtung ausdehnte. Hervorragende infrastrukturelle Voraussetzungen für den Kaffeeboom schufen die systematische Verkehrserschließung des Binnenlandes im Staate São Paulo durch strahlenförmige, von São Paulo auf den Hochebenen zwischen den Zuflüssen des Río Paraná vorgetriebene Eisenbahnlinien und die günstige Verkehrslage zum nahen Exporthafen Santos. Eine gezielt betriebene Einwanderungspolitik, die überwiegend Italiener ins Land brachte, trug dazu bei, dass trotz der Befreiung der Sklaven 1888 die auf den Kaffeeplantagen benötigten Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Mehrere Hunderttausend Europäer, überwiegend Italiener, aber auch zahlreiche Deutsche, Japaner und Libanesen wanderten zwischen 1886 und 1905 ein und verdingten sich vorwiegend auf den Paulistaner Kaffeeplantagen. Einige der Deutschen wurden auch im Inneren des Bundesstaates São Paulo in Kolonien angesiedelt (Rio Claro, Monte Mor und andere). In dieser Phase betrugen die jährlichen Wachstumsraten der Bevölkerung bis zu 14 Prozent. Dies alles verhalf São Paulo zu erstem Reichtum. Aber erst die Industrialisierung am Ende des 19. Jahrhunderts führte zu dem beeindruckenden Wachstum zur größten Metropole Südamerikas.

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