Scherben bringen Glück – Brenta Villa in Mogliano di Veneto – 2000
In der letzten Augustwoche haben Annette und ich gerne mal wieder eine Stippvisite bei Conny und Fri Bianchi im herrlichen Veneto gemacht. Wir ließen es gemütlich angehen und fuhren von München mit dem Auto durch die Dolomiten und von Cortina d´Ampezzo weiter zum Mittagessen im Golfclub in Asolo. Von dort aus ging es über Treviso weiter nach Mogliano - einem nördlich von Venedig gelegenen Ort - in dem Fri einige Jahre zuvor von seinem kinderlosen Onkel eine eindrucksvolle Brenta Villa mit umfangreichen Liegenschaften geerbt hatte. Ein Gebäude mit 1.300 qm Wohnfläche und ein sie umgebender riesiger Park, in den ich sogar zum Golfspielen gehen konnte. Bei meinen Schwungübungen habe ich dann gleichmal einen zu gut getroffenen Ball durch die - dann zerbrochene - Scheibe unseres Badezimmers im zweiten Stock geschlagen. Ein wirklich herrliches Anwesen, zwar direkt am Strassenstrich an der Landstrasse nach Treviso gelegen, wodurch sich sein vornehmer Park - zur Freunde des Hausherrn Fri - hervorragend zur Entsorgung der benutzten Gummis angeboten hat. Kleiner Trotz war allerdings auch der schöne Golfplatz der Villa Condulmer in nur 5 Minuten Entfernung zur Villa Bianchi. Das Leben ist voller Gegensätze. Der Ausflug nach Venedig ist von hier ein Kinderspiel. Zum Anwesen gehört auch ein eigenes Weingut und früher sogar eine große Molkerei "Latte Bianchi". Tempi Passati. Jahre später war dann alles verkauft und mit dem interessanten Erbe auch viel Ärger verbunden. Zur Zeit unseres Besuches war hiervon noch keine Rede, wir genossen die Zeit vor Ort und besuchten gemeinsam die Lagunenstadt Venedig und waren dort live bei der historischen Regata storica di venezia mit dabei.
- Annette & Michael Kamm, Conny, Carolina & Fri Bianchi
Die Villen entlang der Brenta, dem Verbindungskanal zwischen Venedig und Padua, sind berühmt. Und das zu recht. Die aristokratischen Villen, die zwischen 1500 und 1700 erbaut wurden, sind beeindruckende Momumente venezianische Macht in dieser Zeit. Sie waren nicht nur Statussymbole, sondern wurde bevorzugt genutzt, um die Sommerfrische mit Freunden angenehm zu verbringen (oder natürlich auch um Geschäftspartner standesgemäß zu beeindrucken - ist ja heute auch nicht anders...)
Großzügige Einfahrtswege - früher noch mit eleganten Kutschen zu befahren - gehören neben dem zum Golfen geeigneten Landschaftsgarten ebenfalls zum Anwesen.
Die Villen sind zumeist zum Fluß hin ausgerichtet.
Das Interieur ist erlesen stilvoll ....
Vielleicht ein wenig üppig und groß für noch nicht ausgewachsene Familienmitglieder.
Für literarische Unterhaltung ist gesorgt.
Schön wie die Mama Conny ... die noch junge Carolina
Obwohl es schon August ist, stehen die Bäume noch im saftigen Grün ... im Hintergrund das Gebäude der Kellerei
Mogliano Veneto ist eine hübsche norditalienische Gemeinde mit 27.852 Einwohnern in der Provinz Treviso in Venetien. Die Gemeinde grenzt an die Provinz Venedig und auch direkt an das Stadtgebiet Venedigs. Zur Provinzhauptstadt nach Treviso sind es etwa elf Kilometer in nördlicher Richtung.
Giacomo Casanova schildert in der „Geschichte meines Lebens” seine Erfahrung auf einem Burchiello aus dem Jahre 1734 in Begleitung von Baffo, einem berühmten Verfasser von erotischer Literatur aus Venedig. „Ein Fluss“, schrieb Gabriele D’Annunzio in seinem RomanDas Feuer, „einst prächtig und glanzvoll in den Sonetten der galanten Abbés, wenn die Burchielli voller Musik und Vergnügen die Strömung hinabfuhren.“ Il Burchiello - Gabriele D'AnnunzioAm 17. April 1345 setzte der Hohe Rat der Republik Venedig das Gesetz außer Kraft, das den Bürgern der Serenissima bis zu diesem Zeitpunkt den Kauf von Grundstücken auf dem Festland untersagt hatte, so dass sich das Interesse der venezianischen Patrizier vom Handel zum Teil auf das Festland und die Ufer des Brenta verlagerten. Il Burchiello - Palazzo Labia a MiraAus den Möglichkeiten, die sich durch die intensivere Nutzung der Besitztümer und Ländereien boten, ergab sich die Notwendigkeit einer ortsnahen Überwachung der Produktion. So entstanden die Residenzen auf dem Land, die diesen neuen Anforderungen genügten und in einem einzigen Komplex den Wohnbereich der Herrschaften und die verschiedenen Dienstgebäude vereinigten. Die Villen unterschieden sich aufgrund ihrer Zweckbestimmung: - die Villa als herrschaftliches Gehöft für landwirtschaftliche Unternehmungen, als Tempel, in dem sich Künstler und Intellektuelle gesellig trafen, als repräsentatives Herrenhaus für feierliche Empfänge und Bankette sowie prächtige Residenz, die von berühmten Architekten gestaltet und von brillanten Künstlern mit Dekorationen und Fresken geschmückt wurde und für diese prunkvolle Epoche Zeugnis ablegen. Il Burchiello - Andrea PalladioGroße Architekten wie Palladio, Scamozzi und Frigimelica schufen Villen für die venezianische Aristokratie, die ihre „Sommerfrische“ auf dem Festland in einem wahren Arkadien verbrachte, einer Idylle mit Damen und Kavalieren, die spielten, sangen, tändelten und Geschichten erzählten. Il Burchiello - Villa Foscari Die „Villa Veneta” brachte die Mode der „Sommerfrische“ mit sich, die in Venetien zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert aufkam und erst nach zweihundert Jahren, nach dem Untergang der glorreichen Republik Venedig im Jahre 1797, ihr Ende fand. Aus diesem Grund wurden in dem Gebiet ungefähr 2.000 Villen errichtet, die noch heute die jahrhundertealte architektonische Tradition unter Beweis stellen. Vom 16. Jahrhundert an wurden an den Ufern der Kanäle und Flüsse, die von Venedig aus bequem zu erreichen waren, prächtige Sommerresidenzen erbaut. Der Brentakanal, der unter anderem Venedig mit Padua verband, war besonders beliebt, eine vergnügliche Strecke und die ideale Fortsetzung des Canal Grande von Venedig, wo mehr als siebzig Luxusvillen entstanden. Il Burchiello - Burchiello sul BrentaHier, nicht weit von der Stadt, verbrachten die begüterten Adligen ihre Ferien und reisten aus Venedig in bequemen Wasserfahrzeugen namens Burchielli an, die dem schiffbaren Kanal Brenta flussaufwärts folgten; diese Boote wurden von San Marco aus durch die Lagune von Venedig bis Fusina gerudert und dann von Pferden an der Riviera del Brenta entlang bis Padua getreidelt. Die Burchielli waren typische venezianische Boote für die Beförderung von Passagieren mit einer überdachten Kabine und drei oder vier aufwändig gearbeiteten und verzierten Balkonen, mit denen nur die reiche Oberschicht Venedigs verkehrte, um ihre Villen auf dem Land zu erreichen.
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