Bostonian Beantown – Starting Point for Entrepreneurship & Location for Christmas Shopping – 1989
Kurz vor Weihnachten flog ich von München nach Boston im US Bundesstaat Massachusetts zum letzten North Sails Board Meeting des Jahres. Die Oststaaten Metropole empfing mich - wie meistens um diese Zeit - mit einem eisigen Wind. Bevor ich mich am Montag dem Board Meeting widmete, war am Wochenende erst mal Christmas Shopping für Carolina und Larissa angesagt. Die beiden waren gleichzeitig mit mir von München nach Chile geflogen, wohin ich Ihnen folgen werde. Die Auftragsliste von zuhause war lang, aber es hat Spaß gemacht die Geschenke zu besorgen, denn nirgends werden die Päckchen so liebevoll verpackt wie in den wunderbar vorweihnachtlich geschmückten Departments Stores der Stadt sowie in den kleinen Shops in der Newbury Street. Da wird Service ganz gross geschrieben. Gut ist, daß die Innenstadt sehr übersichtlich und kompakt ist und man sich sehr schnell orientieren kann. Die Ostküsten Metropole ist eine der ältesten, wohlhabendsten und kulturell reichsten Städte der USA. Sie beheimatet in ihrem Großraum sowohl die weltberühmte Harvard University als auch das ähnlich bedeutende MIT, beide in Cambridge gelegen. Im kulturellen Bereich sind die Symphony Hall und das in ihr residierende Boston Symphony Orchestra weltbekannt. Leider diesesmal ohne mich. Aber allein das weihnachtliche Flair beim Flanieren in der Stadt hat mich in gute Stimmung versetzt. Die Meetings mit unserem Board - unter anderem Terry Kohler, Tom Whidden und John McClary - liefen gut und ich hatte nach 1 1/2 Jahren an Bord eine starke Position für mich aufgebaut. Mein Co-Geschäftsführer Eckart Wagner hatte auch im laufenden Jahr durch seine sehr eigene Vorstellung was die Firma für ihn zu bezahlen hätte wieder etwas übertrieben und war dadurch bei den Eigentümern angezählt. Nachdem ich selbst nicht dauerhaft angestellt sein wollte, hatte ich bereits einen guten Plan Unternehmer zu werden. So unterbreitete ich dann auch dem North Sails Chairmann und Mehrheitseigentümer Terry Kohler - in Absprache mit den weiteren amerikanischen Eigentümern - ein Angebot zur Übernahme der Firma. Binnen weniger Monate erstellte ich einen realistischen Businessplan, finalisierte die Finanzierung und das Closing und auf dieser Basis konnten Michi Plank und ich bereits im Sommer Gas geben. Von Eckart Wagner und einigen wenigen seiner Vertrauten trennten wir uns und teilten die Verantwortung auf Michi Plank und mich auf. Eine gute Wahl. Eckart war ziemlich sauer, wurde dann jedoch Chef von AERO Sail, einem Segelprojekt von Daimler Benz und starb unerwartet früh im Jahr 2002 mit nur 64 Jahren. Nach den anstrengenden Meetings ging es für mich auf einen langen Flug nach Südamerika …. wenn man mal Stunden lang über die grüne Amazonas Hölle geflogen ist, weiß man, was ich meine. Allerdings hatte ich mein Arbeitspensum für 1989 hinter mich gebracht und konnte mich daher entspannt auf so eine Reise begeben. Von Boston via Miami und Rio de Janeiro nach Santiago de Chile. Dort wartete schon die chilenische Familie und Weihnachten konnte kommen...ein Jahr, das ich ganz sicher nicht vergessen werde.
- Tom Whidden, John McClary, Eckart Wagner, Michael Kamm
Beautiful Boston aus der Vogelperspektive - sieht eher aus wie eine Mega-City - ist mit seinen 700.000 Einwohnern aber eher eine gemütliche Ostküstenstadt
und in entspannender Abendstimmung ist die sogenannte "Bean Town" noch viel schöner
Das Old State House gebaut 1713 und das älteste Verwaltungsgebäude in Boston - inmitten von Glaspalästen. Geschichte trifft Neuzeit
Unser Weggefährte Eckart Wagner, mit dem Michi und ich bei North Sails viel Lee und Luv ausgehalten haben. Nach seinem für ihn überraschenden Ausscheiden bei North Sails blieb er nicht lange untätig und stürzte sich in ein neues spannendes Projekt: Americas Cup mit Vorlauf …. leider ging dieser charismatische Macher viel zu früh von uns … wir behalten sein Andenken immer in Ehren
Aero Sails: Zur Jahreswende ist der Deutsch-Franzose Ortwin Kandler nach langer Krankheit verstorben. Der ehemalige Airbus Manager war Mitbegründer und Geschäftsführer des Daimler Benz Segelprojektes Aerosail (1993 bis 96) und stand hinter dem französischen Auftritt beim America’s Cup 2007. Ortwin Kandler wird von der Segel-Gemeinde als “Mann mit Visionen” gewürdigt. 1999 erregte er großes Aufsehen in der Segelszene, als er vom damals eher unbekannten argentinischen Designer Juan Kouyoumdjian den radikalen 50 Fußer “Krazy K-Yote II” für den Admiral’s Cup zeichnen ließ. Das Schiff war mit einem unverstagten Flügelmast geriggt und für die Handicap Formel IMS optimiert. Dabei gewann es auch durch die Ausnutzung von Vermessungsvorteilen seine ersten Rennen so eindrucksvoll, dass die Berechnung verändert wurde. Die Yacht verlor ihre Überlegenheit und Kandler sowie das gesamte französische Team zogen unter Protest ihre Teilnahme vom Admiral’s Cup zurück. Krazy K Yote Ortwin Kandler sorgte mit dem redikalen Flügelmast-Cupper “Krazy K-Yote” für Aufsehen. © Forster Danach unterstützte Kandler seinen Sohn Stephane bei seinem Bemühen, ein französisches Team für den America’s Cup auf die Beine zu stellen. Es gelang 2007 zuerst unter dem Namen K-Challenge, später als AREVA-Team nach der Verpflichtung des Hauptsponsors. Sohn Kandler setzte die Visionen des Vaters durch den Unterhalt eines Segelprofi Rennstalls mit dem Namen All4One fort, bei dem er eine enge Kooperation mit Jochen Schümann einging. Das deutsch-französische Team nahm erfolgreich beim Audi MedCup in der TP52 Klasse bis 2012 teil.
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