Um Ihre Website-Nutzung zu optimieren, verwenden wir Cookies. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie diese Website weiter nutzen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzerklärung für weitere Informationen.

OK

Ferrari unter Münchner Italienern – Hosteria Fratelli in der Haidhausener Steinstrasse – 2020

Am Do., 16. Juli 2020

Nach einigen Tagen intensiver Arbeit bei Triumph in Bad Zurzach kam ich mit dem Zug via Ulm in ein regnerisches München und hatte mich mit Paul zum Abendessen in Haidhausen verabredet. Die Hostaria Fratelli kommt wie ein Ferrari unter Münchens Italienern daher. So muss ein gutes Restaurant aussehen. Schlichte weiße Tischdecken mit weißen Stoffservietten, je ein Messer und eine Gabel daneben. Einfache Stühle, vereinzelt Kerzen, indirekte Beleuchtung und ein beeindruckender Lampenschirm über der Mitte des Raumes. Kein Chichi mit einem Dutzend Besteckteilen und Gläserbatterien auf dem Tisch, keine geschwätzigen Kellner, die den Gast schleimerisch umgarnen. In diesem Ambiente, und im Sommer gerne auch vor der Tür auf der Steinstraße am Wiener Platz, agiert Rocco Gruosso, der padrone höchstselbst. Er spricht mit dieser wohltuenden süditalienischen Färbung, die bei italienaffinen Deutschen sofort Fernweh. Nein, im Ernst: Rocco umsorgt zusammen mit seinem Kompagnon jeden Gast auf vorzügliche Weise, handfest und zuverlässig, ansprechend mit weinroter Schürze gekleidet. Ein Schuss vom edlen Olivenöl im Schälchen, frisches Weißbrot und ein kleiner Gruß aus der Küche bilden den Auftakt. Eigentlich kann jetzt nichts mehr schiefgehen. Doch vielleicht liegt es gerade an dem allzu gelungenen Start, vielleicht an dem Zustand gespannter Erwartung und vielleicht auch daran, dass sich, wo die 20-Euro-Marke für Hauptgerichte nach oben durchstoßen wird und Vorspeisen zwischen 13 und 18 Euro notieren, ein besonderes Versprechen an den Gast richtet, dass wir letztlich auch die eine oder andere Enttäuschung erlebten. Unter den Vorspeisen finden sich Gerichte, die man zum Teil selten bekommt. Hauchdünn geschnittene Scheiben von der Kalbszunge auf Salat zum Beispiel oder mit Balsamico und Artischocke kross angebratene Stücke vom Oktopus. Meeresgetier und Kalb zeichneten eine perfekte zarte Konsistenz aus, gepaart mit klaren italienischen Geschmacksnoten. Auch über die Pasta lässt sich Gutes berichten: Die teils handgemachten Teigwaren haben wir einmal in Kombination mit einer würzigen Salsiccia und einmal mit Venusmuscheln alias Vongole probiert und können getrost ein "authentisch" attestieren. Als Hauptgerichte bietet die Hostaria je zwei bis drei Fisch- und Fleischgerichte an. Leider unversucht, aber zweifellos ein Projekt für kommende Besuche, blieb der in Salzkruste gebackene Wolfsbarsch (54 Euro für zwei Personen). Fleischgerichte betreffend bremsten wir unseren Erkundungsdrang nach einer Portion Kalbsbäckchen auf Püree (19 Euro). Das geschmorte Fleisch war fraglos zart und mit der charakteristischen, geschmackstragendenen Marmorierung durchzogen. Rückblickend kam uns die Metapher eines Ferrari in den Sinn, bei dem man plötzlich merkt, dass ein paar PS zu wenig unter der Haube wummern und der eine oder andere Schalter klemmt. Ein fesselndes Fahrzeug, zweifellos, aber eben nicht ganz das, was Marke, Design und Ausstattung versprechen. Wohlgemerkt: Beim Standard-Italiener um die Ecke träumt man von Speisen auf dem Niveau der Hostaria.

Mit dabei
  • Paul & Michael Kamm

Ein gemütlicher Abend, bei dem Paul zu Besuch aus Berlin in München war

Fehler entdeckt, Änderungen & Ergänzungen gewünscht sowie eigene Photos zur Vervollständigung verfügbar? Bitte gerne per Mail an Michael@Kamm.info.