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Fischmeister für den oberen Starnbergersee – Winteressen beim Bierbichler in Ambach – 2002

Am Mi., 13. Februar 2002

Mitte Februar verabrede ich mich mit Pepe Voigt zu einem Abendessen am Starnbergersee. Pepe - der eigentlich Wolfgang heißt - habe ich im Jahr 1995 eigentlich im Rahmen meines Engagements für den Gesellschafterbeirat der Golfanlage Iffeldorf kennen gelernt. Nach meinem Ausstieg bei der Mistral Sports Group hatte er mich gefragt, ob wir nicht gemeinsame Beratungs-Projekte umsetzen könnten und ich hatte damals zugestimmt und wir haben zeitnah losgelegt. Allerdings waren Pepes Consulting Themen eher technischer Art und in der Regel Projekte für staatliche Auftraggeber. Nicht wirklich mein Lieblingsthema. Daher schlief unsere Kooperation auch wieder ein. Privat trafen wir uns immer wieder mal zum Austausch und so ging es diesmal zum Bierbichler bzw. dem Lokal Fischmeister in Ambach. Die "Fischmeister" waren über die Jahrhunderte Beamte der Herzöge bzw. der Könige von Bayern, die erstens die Aufsicht über die Fischerei im Würmsee - dem heutigen Starnbegersee - hatten und zweitens dafür sorgen mußten, daß jeden Freitagmorgen in der Münchener Hofküche ein Transport mit frischen Fischen angeliefert wurde. Über vier Jahrhunderte stellte ein und dieselbe Familie in Ambach den Fischmeister für "den oberen See". Der für "den unteren See" saß in Possenhofen. Ende des achtzehnten Jahrhunderts übergab der letzte Fischmeister dieses Namens die Position nicht an seine beiden Söhne, sondern an seinen Knecht, namens Johann Castulus Bierbichler. Der Gasthof wurde dann im neunzehnten Jahrhundert beliebte Sommerfrische und Einkehr für Ausflügler aus der Stadt. Heute gehört das Anwesen in der Seeuferstrasse dem preisgekrönten Schauspieler und Selbstdarsteller Sepp Bierbichler, der auch gerne im Fischmeister bei einem Bier sitzt und die Süddeutsche Zeitung liest. Ebenso wie ihn und Tilmann Spengler sah man früher manchmal auch Vicco von Bühlow (Loriot). Besonders schön ist es beim Fischmeister im Sommer, wenn der Biergarten geöffnet ist. Dort sitzt man dann unter den großen Eichen bei einem kühlen Bier und einer feinen Brotzeit und genießt die Aussicht auf den See. Vorrausgesetzt man bekommt einen Platz, denn die sind manchmal knapp, wenn sich wieder alle Münchner auf den Weg nach Ambach gemacht haben um zum Fischmeister zu gehen. Im Monat Februar war das ein kleineres Problem.

Mit dabei
  • Wolfgang Voigt und Michael Kamm

In der Wohngemeinschaft mit den Bierbichlers sinnt Herbert Achternbusch mal über seine Existenz als „Kaiser von China“ nach, stilisiert und persifliert seine Dichterexistenz und dokumentiert das Treiben rund um das Wirtshaus herum: Immer wenn sich Barbara auf dem Steg unter meinem Fenster anzieht, kehrt sie mir den Oberkörper zu: dunkle Brustwarzen krönen einen gebräunten Körper. 3 Jahre bin ich nun schon in Ambach und an die dritte Wirtsgeneration wurde die Gastwirtschaft verpachtet. Die Ruffinis sind jetzt dran, zu denen Barbara gehört, einen roten Pulli streift sie über, und den schwarzen Rock hat sie schon an. Wenn sie die Absperrung übersteigt, [...] hebt sie ein Bein hoch, dass selbst ich im zweiten Stock was seh. Gleich wird sie in ihrer Arbeit stehn, gehen und sehen, wie sie zu Rande kommt mit den vielen Bestellungen: 37 große Schweinebraten und 37 kleine Schweinebraten. Ich hab sie gemalt, wie sie durch den Biergarten Segelkuchen balanciert, von Männerblicken begleitet, die als weiße geile Männchen auf ihr herumtanzen, die Blicke. (Herbert Achternbusch: Das Ambacher Exil. Köln 1987, S. 23.)

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