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Gesellschaftliche Aussenseiter auf der Opern-Bühne – Carmen in München – 2002

Am Do., 12. Dezember 2002

Die Vorweihnachtszeit ist mit die schönste Zeit des Jahres, um in München in die Oper zu gehen. So genossen Annette und ich auch diesen wunderbaren Abend mit einer tollen Aufführung in der Staatsoper. Carmen ist unbestritten Georges Bizets Meisterwerk, geschaffen in seinem 36. Lebensjahr, das zugleich sein Todesjahr war. Aber diese Oper machte ihn unsterblich. Auf der Grundlage der gleichnamigen Novelle von Prosper Mérimée entstand ein schockierend realistisches Spiel um Liebe und Macht. Die attraktive Zigeunerin Carmen, eine umschwärmte, selbstbewusste Frau, trifft in Sevilla in dem Soldaten Don José einen Mann, der ihr rettungslos verfällt, sie durch seine Liebe aber auch einengt. Im Konflikt zwischen ihrer Freiheit und dieser Liebe entscheidet sie sich für die Freiheit – mit tödlichen Konsequenzen. Die im Milieu von Soldaten, Arbeiterinnen, Schmugglern und Zigeunern angesiedelte Oper mit einer skandalösen Frauenfigur im Mittelpunkt brachte 1875 ganz neue soziale Schichten auf die Musikbühne – und fiel wohl auch deswegen anfangs durch. Doch von diesem wenig ermunternden Start erholte sich das Werk schnell und wurde, nicht zuletzt dank seiner überragenden musikalischen Qualität, zur meistgespielten Oper der Welt. Die melodienreiche Carmen, schockierend realistisch und modern, fiel anfangs beim Publikum durch, wurde dann aber schnell ein anhaltender Welterfolg. Die Protagonisten gehören, im Operngenre absolut neu, zur Unterschicht (Arbeiterinnen, Soldaten) oder gar zu den gesellschaftlichen Außenseitern (Zigeuner). Die betörend schöne Zigeunerin Carmen weiß um ihre Wirkung auf Männer, genießt ihre Freiheit und will sich durch die Liebe nicht einengen lassen. Nach eingehender Vorbereitung des Librettos schrieb der bereits schwer kranke Bizet die Partitur in nur drei Monaten. Mit ihrem tragischen Ende und ihrem sozialen und psychologischen Realismus lässt Carmen das traditionelle Genre der Opéra comique weit hinter sich.

Mit dabei
  • Annette & Michael Kamm

Carmen ist eine Oper in vier Akten von Georges Bizet. Das Libretto schrieben Henri Meilhac und Ludovic Halévy. Obwohl formal eine Opéra-comique und auch als solche bezeichnet, war Carmen ein revolutionärer Bruch mit dieser Operngattung. Die realistische Milieuschilderung, Dramatik und schicksalhafte Tragik machten sie zu einem Vorläufer des Verismo.

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