Königswiese & St. Georgs Kirche – Geliebtes Alt-Bogenhausen – 1997
Nach der Rückkehr von meinem mit der Familie Vogl gemeinsamen Sommer Bootsurlaub auf der Temptation bin ich am 28. August 1997 in meine seit dem 16. August gemietete neue Wohnung in der Möhlstrasse eingezogen. Seitdem lebe ich im hochherrschaftlich schönen Altbogenhausen und möchte - wie auch Annette - auch nirgendwo anders in München wohnen. Vom Friedensengel am Europaplatz bzw. Prinzregentenstraße bis zur Montgelasstraße reicht unsere Möhlstraße. Kaum mehr als 800 Meter lang, bildet sie das »Rückgrat« des denkmalgeschützten Ensembles Bogenhausen und umfasst 35 Anwesen, zumeist noch großbürgerliche Villen der Erbauerzeit von 1880 bis Ende 1918. Benannt wurde sie bereits um 1895 nach dem Königlichen Hofgärtendirektor Jakob Möhl, der die Pläne für das neue Villenquartier vorlegte. Eine herrlich ruhige Gegend, schnell im Park - in den Maximiliansanlagen rechts der Isar und im Englischen Garten links der Isar - und mit dem Fahrrad zum Einkauf am Wiener-, Max-Weber- und Herkomer Platz oder zum Lust Shopping und Ausgehen in der Innenstadt, Maximilians- und Theatinerstrasse. Für den Spaziergang sind wir in einer Minute an der Königswiese, und für den Gottesdienst in der St. Georgs Kirche. Um uns herum herrschaftliche Gebäude ... die Möhlstrasse geniesst Ensemble Schutz. Sowohl Kindergarten wie auch Musikschule - die wir beide nicht mehr selber benötigen - sind um die Ecke ... allerdings auch Top Restaurants wie der Bogenhauser Hof. Als ich am Donnerstag gerade in die Wohnung eingezogen war, habe ich am Samstag nach Sport im Prince und Drinks im Lenbach in der Nacht noch meine Unterhaltungstechnik - Telefon, Musik, TV und Video - eingerichtet. Als der Fernseher spät nachts endlich lief und alle Sender neu programmiert waren, zappte ich mitten in der Nacht durch die Programme und blieb in der Nacht vom Samstag, den 30. auf Sonntag, den 31. August gegen 2:00 Uhr früh an der Live Berichterstattung zum Unfalltod von Lady Di in einer Pariser Unterführung an der Seine hängen. Die damals übertragenen Fernsehbilder sind mir bis heute als Erinnerung an meine ersten Tage in der Bogenhausener Wohnung geblieben
- Michael & Annette Kamm
Diese schöne Kirche befindet sich auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Die Katholische Filialkirche St. Georg ist die ehemalige Dorfkirche Bogenhausens und war bis zur Errichtung der Kirche Heilig Blut dessen geistlicher Mittelpunkt. Ich bin hier im Rahmen meines Konvertierens von der Evangelischen Kirche durch meine Firmung in der Katholische Kirche aufgenommen worden bin. Heute ist die schöne alte Bogenhauser Kirche vor allem für ihren Friedhof bekannt, auf dem viele Prominente ihre letzte Ruhe fanden ...
Gleich ums Eck: Die Anlagen entstanden zwischen 1856 und 1861 auf Anregung König Maximilian II. Vorlage war der Plan "Über Schmuck- und Grenzzüge“ des Gartenarchitekten Peter Josef Lenné. Kunstvoll ausgestaltet wurde der Park dann von Carl von Effner, der die Anlage mit heimischen Bäumen (Kastanie, Feld-, Spitz- und Bergahorn, Linde, Eibe, Stiel- und Roteiche) bepflanzte und viele reizvolle Blicke aus dem Park auf die Silhouette der Stadt öffnete. Der steile Isarhang war bis dahin als Schafweide genutzt worden und war stark erodiert. Der Talgrund war noch von Hochwässern gefährdet und konnte deshalb nicht in den Park einbezogen werden. Der Grünzug wird durchschnitten von der Maximilianstraße (Maximilianeum) und der Prinzregentenstraße, die - visuell für den Park von großer Bedeutung - von der 38 Meter hohen Säule des Friedensengels abgeschlossen wird. In den Anlagen, gegenüber der Siebertstraße, führt der Wilhelm-Hausenstein-Weg, vorbei an den Hangquellen, zum Achtersee. Über den König-Ludwig-Weg kommt man zum 1967 errichteten Denkmal für Ludwig II., an dessen Sockel neben den Königsschlössern auch das nicht gebaute Semper-Festspielhaus am Isarhang in einem Erzschild zu sehen ist. Nördlich des Friedensengels steht seit 1920 der Josef-Ruederer-Brunnen. Vom Hang an der Georgskirche kann man über die prachtvolle Königswiese auf die Villen von Bad Brunnthal schauen, ehe man zum Pfarrhaus von St. Georg und zum Pater-Delp-Denkmal kommt.
1. Bauphase Gleich nach der Eingemeindung Bogenhausens am 1. Januar 1892 begann die Erschließung des neuen Siedlungsgebietes und die Anlage der im vom Königlichen Hofgärtendirektor Jakob Möhl vorgelegten Plan vorgesehenen Straßen und die Bauplatzaufteilung. Die Bebauung begann (mit einer Ausnahme) bei den Parzellen, die durch die Abtrennung des östlichen Teils der Liegenschaften des »Königlichen Beamtentöchterstifts« in Neuberghausen entstanden waren. Die ersten Anwesen im neuen Villenquartier sicherten sich die damalige Bogenhauser Prominenz:
Eckhaus Villa Düll (HsNr. 31): Baujahr 1893; Besitzer: Künstler und Bildhauer Heinrich Düll, der drei Jahre später mit dem Auftragswerk des »Friedensengels« beginnt. Doppelvilla Seitz / Möhl (HsNr. 35 und HsNr. 37): Baujahr 1894; Besitzer: Baumeister Georg Hagen bzw. der Königliche Hofgärtendirektor a.D. Jakob Möhl. Villa Selmayer (HsNr. 12): Baujahr 1894; Besitzer: der letzte Bürgermeister Bogenhausens Josef Selmayr.
2. Bauphase: Das Münchner Großbürgertum der Prinzregentenzeit fand sehr bald Gefallen an der ruhigen und vornehmen Wohnlage und bald reihte sich um die Jahrhundertwende eine repräsentative Villa an die andere - man konnte es sich leisten zu zeigen, was man hat. Kunsthistorisch besonders schöne Gebäude sind in dieser Hinsicht sicherlich die malerisch-neubarocke Villa von Julius Kaufmann, einem Druckerei- und Kriegskreditbankdirektor (HsNr. 21) und die palastartige Neubarockvilla von Kommerzienrat Hugo Kustermann (HsNr. 3) sowie die vornehm-venezianische mit Jugendstilelementen versetzte Privatiersvilla von Karl Schneider (HsNr. 27). Schnell erkannten aber auch findige Unternehmer wie das Gastwirtsehepaar Anna und Lorenz Betz (Besitzer der zu dieser Zeit florierenden »Betz'schen Gastwirtschaft«) den Wert der Möhlstraßen-Grundstücke. Sie ließen sich drei Villen von Architekt Hans Seidl bauen (HsNr. 12a, HsNr. 14 und HsNr. 16) um diese sofort wieder (gewinnbringend) zu verkaufen. Ähnlich erging es den von den Architekten Alphons Hering (HsNr. 20) und Philip Adam (HsNr. 28) erbauten Gebäuden. Bis heute sind sie einem starken Besitz- und Funktionswandel unterworfen gewesen. 3. Bauphase: Nach einer kurzen Baupause bildet eine Gruppe von neuen Villen, erbaut zwischen 1906 und 1909 einen vorläufigen Abschluss in der Entstehungsgeschichte der Möhlstraße. Als Beispiel dafür ist die 1906 gebaute prachtvolle Villa Wannieck-Moll (HsNr. 32) zu nennen, eine der mächtigsten Anwesen der Möhlstraße - in dem wir selber heute wohnen - das sich bis zur Ismaninger Straße erstreckte, gefolgt von der daneben angrenzenden Villa der Privatiere Klara Herz (HsNr. 30/30a), ein ein Jahr später entsteht. Der zu diesem Zeitpunkt schon fast geschlossene Straßenzug war nun endgültig fest in der Hand von Spekulanten und Investoren, finanzkräftigen Käufern und Bauerherrn. Die 1908 erbauten Villen der Brauereidynastie Pschorr (Hs.Nr. 2 und HsNr. 23) zeugen ebenfalls von der Dominanz der Unternehmer und Magnaten in der Möhlstraße vor dem Ersten Weltkrieg.
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