Orthopädische Meisterwerke in der Hüfte – Durchhalten muß belohnt werden – 1994
Mein Zwillingsbruder Thomas erhält seine "gefühlt" 5. künstliche Hüfte. Diesmal ist die entsprechende Operation im Kreiskrankenhaus in Garmisch-Partenkirchen. Paul - der auch Thomas Patenkind ist - und ich besuchen ihn vor Ort. Seit Studienzeiten hat mein Bruder ernsthafte Gelenkprobleme; mit der Hüfte hat es angefangen und heute sind auch alle Knie Operations Varianten abgedeckt. Er wurde daher unzählige Male operiert und leidet bis heute an diesen Problemen. Langanhaltende Kortison Behandlungen und viele Infektionen trugen noch dazu bei. Paul tröstet Ihn mit Süssigkeiten. Dieses Medikament, ganz ohne Rezept und mit geringen Nebenwirkungen hilft in den meisten Fällen.
- Thomas, Paul und Michael Kamm
Eine Schachtel mit köstlichen Pralinen von Leysieffer zaubert ein Lächeln in das Gesicht von Thomas.
Unser Besuch, besonders die Visite von seinem Patensohn Paul, ist eine höchstwillkommene und sehr geschätzte Abwechslung im Klinikalltag und nach der langen Operation.
Eigentlich soll man ja, gerade nach einer Hüftoperation, auf sein Gewicht achten, aber die psychologische Wirkung von den leckeren Glücklichmachern in der kleinen Schachtel ist keinesfalls zu unterschätzen.
Jahrhundertelang ersetzten Prothesen vor allem äußere Gliedmaßen, auch da man immer wieder mit Entzündungen und Infektionen zu kämpfen hatte. In den letzten 150 Jahren ist die Endoprothetik zu einem innovativen Bereich der Prothetik geworden. Mit Rudolf Virchows Zellenlehre 1855 veränderte sich das Verständnis von gesunden und kranken Körperzellen. Bereits 1890 setzte der Berliner Chirurg Themistokles Glück die ersten künstlichen Kniegelenke aus Elfenbein und Nickelstahl ein. Diese Materialien bewährten sich jedoch nicht. Die Operationen scheiterten auch, weil die Prothese direkt in die Infektion hinein operiert wurde. Bereits 1938 implantierte Philip Wiles eine Hüft-Totalprothese, bei der er die Hüftgelenkpfanne mit einbezog. 1943 führte Austin Morre die Kopfprothese mit gefenstertem Schaft ein. Dabei wurde nur der Hüftkopf ersetzt. Dadurch penetrierte die Prothese jedoch langsam durch das Becken. Die Gebrüder Judet ersetzten den Hüftkopf 1946 durch Plexiglas. Hier war jedoch der Abrieb zu hoch, was zu Lockerungen führte. G. K. Mc Kee implantiere 1951 die erste brauchbare Hüft-Totalendoprothese. Zunächst aus rostfreiem Stahl, später aus einer Chrom-Kobalt-Legierung. Die Pfanne wurde mit Metallstiftchen im Beckenknochen verankert. Sir John Charnley kombinierte 1959 einen kleinen Metallkopf mit einer Teflonpfanne. Da sich Teflon als Gleitpartner aber nicht eignete, wurde es recht bald durch Polyethylen ersetzt. Wegen der sehr guten Ergebnisse hat sich diese Prothese bis heute durchgesetzt. 1997 kam die Birmingham Hip Resurfacing (BHR) von Derek McMinn auf den Markt. Dabei handelt es sich um einen Oberflächenersatz für das Hüftgelenk mit möglichst wenig Veränderung am Knochen. Sie wird sehr genau an die Anatomie des Patienten angepasst. Diese Prothese wird ebenfalls bis heute unverändert genutzt. 2003 ist es Forschern gelungen, mittels Kalziumphosphatzement die Knochenheilung zu revolutionieren. Knochenwachstumsdefekte können aufgefüllt werden und die Knochenheilungsgeschwindigkeit verdoppelt sich. Heute unterscheidet man in der Hüft-Endoprothetik grundsätzlich zwischen drei verschiedenen Prothesenarten: Hüftkopfprothese: Hier wird nur der gebrochene Hüftkopf gewechselt. Die Hüftpfanne bleibt unverändert. Jedoch kann diese bei starker Belastung verletzt werden. Hüftschaftprothese: Bei dieser Prothese wird der Oberschenkelhals ersetzt und zusätzlich ein Stiel als Verankerung eingebracht. Neuer sind die Kurzschaftprothesen, eine zementfreie Hüftprothese mit verkürztem Prothesenschaft. Hüftkappenprothese: Nur Anteile des Gelenks werden entfernt und durch Metall-Endoprothesen ersetzt. Hüft-Totalendoprothese (Hüft-TEP): Dabei wird das gesamte Hüftgelenk durch die Prothese ersetzt. Sie besteht aus einer Hüftpfanne (Pfanneneinsatz), dem Hüftschaft und dem Kugelkopf. Als Materialen werden meist die drei Komponenten Metalle, Polymere und Keramik verwendet. Je in unterschiedlicher Kombination: Metall-Metall-, Keramik-Keramik-, Metall-Polyethylen- und Keramik-Polyethylen-Gleitpaarungen.
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