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Schwerverdaulicher Sake – Aigner Problem Bär AOI in Japan – 2006

Von Mo., 20. November 2006 bis Mi., 22. November 2006

Japan war für mich immer eine besonders sehenswerte und interessante Destination, aber wenn man den Ärger schon im Vorfeld riecht, ist die Vorfreude auf eine Reise entsprechend gedämpft. Mit deutlichem Unbehagen ging es daher im November mit meiner Aigner Mitarbeiterin Sylvia Gick, einer äusserst toughen und sehr präsenten Kollegin, ins Land der aufgehenden Sonne. Diese Bezeichnung ist abgeleitet vom Landesnamen Japans "Nippon" was soviel bedeutet wie Sonne und Beginn. Auch auf der wunderschönen japanischen Flagge „Ninomaru“ ist dies versinnbildlicht - mit einem roten Punkt in der Mitte auf weißen Grund. Der rote Punkt steht für die rote Sonnenscheibe, für Mut und Leidenschaft, wohingegen das weisse Feld die Reinheit symbolisiert. Mit Leidenschaft hatten wir es bei unserem Aigner Distributor für Japan - AOI - auf jeden Fall zu tun. Nach vielen Jahren extrem erfolgreicher und auch sehr freundlicher Zusammenarbeit näherten wir uns aktuell eher einer leidenschaftlichen Auseinandersetzung. Während der Orderzeiten, die damals noch physisch in unserem schicken Münchner Showroom in der Marbachstrasse stattfanden, wurden die definierten Ordervolumina durch die angereisten japanischen Einkäufer immer erfüllt. Manchmal mit Murren und Knurren, aber dennoch im besten Interesse unserer Marke erfüllt, wodurch AOI in Japan auch unser profitabelster Kunde war. Umso erstaunter waren wir, als es plötzlich heftigen Widerstand gab, der umittelbar mit der sich anbahnenden Finanzkrise und dem damit verbundenen Konsumverhalten zu tun hatten. Da das Wort Nein im japanischen Wortschatz nicht so wirklich vorkommt, was für Deutsche nicht nachvollziehbar ist, war im Vorfeld zur Auseinandersetzung anscheinend sehr viel aufgestaut worden. Und nicht nur Emotionen, sondern auch ein riesiger Berg an Lederwaren. Diesen hatte man step by step aus den Shops in einen Mega Storage Center in Kobe ausgelagert, denn die neuen Modelle waren ja bereits wieder unterwegs. Es gab heftigen Ärger, denn AOI warf uns vor, die Ware ohne Kompromisse "reingedrückt" zu haben. Das dicke Ende kam in Form einer verbindlichen Bitte uns an der immensen Abschreibung auf unverkäufliche Ware maßgeblich zu beteiligen. Sozusagen eine Schadensersatz-Forderung in Millionen Höhe auf unsere Erträge der letzten Jahre. Da liefen einige Drähte und auch Köpfe heiss, denn wir waren uns bewußt, daß hier Fingerspitzengefühl gefordert war. AOI war ja unser profitabelster Kunde. So entschlossen wir uns, gemeinsam die Aigner Shoplandschaft in Japan zu überprüfen und zu bereinigen. Alte Standorte schließen, neue bessere Standorte zu suchen und zudem mit dem Management und der Eigentümerfamilie bis hin zum Chairman und AOI President Teruo Sakata kreativ zu verhandeln, und dabei auch die Befindlichkeiten unserer Eigentümerin zu berücksichtigen. Auf vielen Kanälen wurde intensiv kommuniziert. Selbst Sylvia Gick, die mit dem japanischen Kunden wie auch den Gepflogenheiten des Landes bestens vertraut war, hat das Kobe Beef am Ende des Tages nicht mehr so richtig geschmeckt...

Mit dabei
  • Sylvia Hassler-Gick und Michael Kamm

Mehr Aigner Taschen als Kobe Einwohner hat liegen bei AOI auf Lager und die Produktpreise des ebenfalls Münchner Wettbewerbers Bogner sind gerade mal ein Drittel so hoch wie unsere

Beim Essen in Eintracht! Das einzig Erheiternde war das leckere japanische soulfood ... wenn auch nur to go! Sylvia Gick und ihr japanisches Pendant Aiko Tanaka

Kobe Beef: Um das Kobe-Rind ranken sich alle möglichen Mythen und Geschichten. Die Rinder sollen massiert werden und erhalten Bier. Das lässt sich aber nicht belegen. Massiert werden die Kobe-Rinder nur, wenn die natürlichen Auslaufflächen nicht ausreichen, was die Entstehung der Fett-Marmorierung unterstützen soll. Der Mythos, dass die Rinder Bier erhalten, kommt daher, dass diesen ein Futtermix aus Biertreber-Silage,[4] Soja, Reisstroh, Mais, Gerste, Weizenkleie und reinem Quellwasser zugeführt wird. Diesen Futtermix erhalten die Kobe-Rinder 20–22 Monate lang, nachdem sie sich acht bis zehn Monate in kleinen Herden auf der Weide bewegt und ernährt haben. Tatsache ist auch, dass Rinder aus Kōbe im Schnitt dreimal so viel Zeit wie ein herkömmliches Rind erhalten, bis sie schlachtreif sind. Bis dahin werden in der Regel keine künstlichen Wachstumshormone oder Antibiotika usw. verwendet. Auch sind die Rinder in der Regel kleiner bzw. leichter als normale Fleischrinder. Das allein macht die Haltung aufwendig und teuer. Kobe-Rindfleisch ist das teuerste Rindfleisch der Welt. Ein Kilogramm echtes Kobe-Rindfleisch kostet 400 bis 600 Euro, manchmal sogar noch mehr. Neben der sehr aufwendigen Zucht bestimmen auch die restriktiven Qualitätsmerkmale für echtes Kobe-Rind den Preis: Die Japaner bewerten die Qualität ihres Rindfleisches in 5 Qualitätsklassen von Stufe 5 (sehr gut) bis Stufe 1, von denen nur Stücke der Stufen 4 bis 5 in den Westen gelangen. Die Population außerhalb Japans entstand aus Tieren, die zu wissenschaftlichen Zwecken Mitte der 1990er Jahre in die USA exportiert wurden. Aufgrund zunehmend steigender Nachfrage nach dem Fleisch entscheiden sich weltweit immer mehr Züchter, teilweise oder sogar komplett ihre Haltung auf das „Kobe-Rind“ umzustellen. Speziell in den USA und Australien verbreitet sich die Kobe-Zucht rasant. In Deutschland kamen 2006 die ersten derartigen Tiere zur Welt. Die Vermarktung von in Deutschland auf diese Weise erzeugtem Fleisch, lebenden Rindern, Embryonen oder Samen wird vom Wagyū-Züchterverband koordiniert.

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