Weekender in Südtirol – 1989
Im spätsommerlichen Herbst ist ein flottes Wochenende in Südtirol mit Bozen und dem nahen Gardasee mit einer knapp dreistündigen Anreise aus dem südlichen Oberbayern immer eine prima Idee. So bilden wir - Carolina und ich - Ende September eine Vierer-Kombo mit Carolinas Schwester Patricia und ihrem damaligen Freund Christoph von Hirschberg aus Weilheim. Auf unserem Programm steht eine große Portion Sightseeing in der Stadt - unter anderem das Haus von Norbert Murmelter - sowie ein Besuch der Südtiroler Weinstrasse zwischen Eppan und dem Kalterer See und auch der erweiterten Region mit seinen vielen Burgen. Als Ausgangspunkt diente uns das grandios gelegene Hotel Reichriegler Hof oberhalb von Bozen, von wo aus wir auch einen Ausflug nach Riva am Gardasee und ins Capo Reamol unternahmen.
- Patricia Neeb, Christoph von Hirschberg, Carolina und Michael Kamm
Das damals noch herrlich oberhalb von Bozen gelegene Hotel Reichriegler Hof läßt keine Wünsche offen. Über viele Jahre ein Highlight in der Hotelszene und mittlerweile abgerissen und durch eine Luxus Wohnanlage ersetzt. Damals gab es Tennis, Pool, Weinberge mit wunderschöner Lage sowie herrlichem Blick.
Der Reichrieglerhof - Castel Guncina - war ein Hotel am Guntschnaberg. Es wurde am 24. Dezember 1910 als Schmuckstück des damaligen Kurorts unter Anwesenheit von viel Adelsprominenz aus Deutschland, Österreich, Russland und Ungarn eingeweiht und zählte viele Jahrzehnte zu den ersten Adressen der Stadt Bozen und ihrer Umgebung. Hier lag auch die Bergstation der Guntschnabahn. Die Südtiroler Volkspartei hielt hier in den 1950er-Jahren mehrere Jahreshauptversammlungen ab. Der ursprüngliche Hotelbau entstand als Umbau eines vorgängigen mittelalterlichen Weinhofs, des seit dem 14. Jahrhundert bezeugten Riegler auf Guntschna. Das Hotel wurde in der Gründerphase durch die Unternehmerin Elise Überbacher-Minatti geführt Vor seiner Schließung 1996 wechselte das Hotel mehrmals seinen Besitzer und entsprechend auch die Führung. Beliebt waren Bälle und Galaveranstaltungen im Hotel aufgrund der hervorragenden Aussicht auf die Stadt. Am 15. Februar 1997 wurde in dem Hotel der Südtiroler Landtagsabgeordnete Christian Waldner ermordet. Das Hotel wurde 1998 fast zur Gänze abgerissen und später als herrschaftliches Wohnhaus neu erbaut.
Die Altstadt Bozens verführt zum Verweilen. Malerische Gassen und anmutige Bauten lassen uns Besucher dabei ins Schwärmen geraten. Der Dom Maria Himmelfahrt wurde beispielsweise bereits im Jahr 1180 geweiht und ist heute Bischofskirche der Diözese Bozen-Brixen. Wenn hingegen von den Bozner Lauben die Rede ist, sind traditionelle Wohn- und Geschäftshäuser an der gleichnamigen Straße in der Altstadt gemeint.
Bummeln, staunen und sich treiben lassen ... das nette Bozen ist immer einen Besuch wert
Danach ein wohl beschirmtes Plätzchen finden.
Die herrlichsten, mächtigsten Burgen bestaunen...
Für Carolina ist es das erste Wochenende ohne die im April geborene Larissa ... und so freut Sie sich auch auf einen Tapetenwechsel und demonstriert Lebensfreude pur!
Zwischendurch mal eine kleine Verschnaufpause, um das Erlebte zu resümieren.
Gleich gehts weiter! Die Berge rufen, das Abenteuer lockt, es warten ja noch so viele Burgen auf uns ... auch auf unser noch frisch verliebtes Paar
Christoph von Hirschberg, sowohl ehemaliger Studien- wie auch Golffreund stammt aus Hirschberg am Haarsee ganz in der Nähe unseres Wohnortes Seeshaupt und ist damals als selbständiger Lippenstift Hersteller in der Kosmetik Branche tätig. Wie auch ich kannte er Patrizia schon aus gemeinsamen Studienzeiten und ist 1989 mit ihr liiert. Seine Familie besaß mit Schloß Hirschberg ein geheimnisvolles Anwesen, um das sich zahlreiche Geschichten im Umfeld von Geheimdiensten ranken. So war es auch der Wohnort von Benito Mussolini nach dessen Befreiung durch die Nationalsozialisten
Südtirol, das Land der Burgen: Wie in ganz Europa wurde auch in Südtirol zur Zeit des Feudalismus ein regelrechtes Netz von Burgen errichtet. Wie auch anderswo baute man sie hier an exponierten, meist unzugänglichen Orten, wo man die Türme zur Bewachung der Täler nutzte und Signale zu anderen Burgen geben konnte. Das ist jedoch alles nichts neues, denn bereits die Rhäter nutzten diese Orte für ihre Festungen, wie beispielsweise Castelfeder, auf denen dann die Römer ihre Anlagen errichteten. Ein Beispiel für letzteres ist Schloss Sigmundskron. In Südtirol wurden Schlösser und Burgen in großer Zahl gebaut. Diese sind aus folgenden Gründen bis heut noch gut erhalten: das weit verbreitete Porphyrgestein ist mit seinen glatten Felswänden sehr witterungsbeständig und darum auch weniger anfällig für Erdbeben die Anerkennung als kulturelles Erbe: die Tiroler haben ihre Burgen immer schon als ein erhaltenswertes Gut angesehen und dies nicht nur, weil sie als Zufluchtsort bei Überfällen dienten, sondern auch, weil sie sich mit ihnen identifizierten Diese Mentalität ist bis heute in der lokalen Bevölkerung verwurzelt, was zahlreichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten begünstigte, die von der Autonomen Provinz, den Gemeinden oder auch privat durchgeführt wurden. Dank diesem Einsatz ziehen die Gemäuer heute zahlreiche Touristen an. Dort, wo die reichen Bozner Kaufleute ihre Güter und Residenzen erbaut haben, natürlich an den schönsten Orten, zur Sonne gerichtet, mit milden Klima und vor allem einem atemberaubenden Ausblick, finden sich heute ausgezeichnete Hotels wie Schloss Korb , in denen moderner Komfort mit antiken Charme verschmilzt. Die Burgen, in denen einst der Adel und die Bischöfe residierten, wurden zu Museen umgebaut und beherbergen zahlreiche Fundstücke. In den meisten werden auch Führungen angeboten. Die Wege zu diesen Festungen bieten sich wunderbar für herrliche Wanderungen an. Zu diesen Burgen zählen: Schloss Juval Schloss Velthurns Schloss Tirol Schloss Runkelstein Churburg Hocheppan Burg Greifenstein.
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