Yachten Spotting an der chicen Costa Smeralda – Aga Khan sei Dank – 1978
Zu meinem Ende Mai bestandenen Abitur sowie dem gleichzeitig stattfindenden Geburtstag (19) unternahm ich mit meinen Eltern und meiner Schwester Ulrike eine Reise nach Sardinien und Korsika. Von Stuttgart ging es mit dem Flieger nach Olbia und dann weiter in den noch brandneuen Yachthafen von Porto Cervo. Das Resort um Porto Cervo wurde im Jahr 1962 von Karim Aga Khan IV. als Luxusurlaubsdomizil gegründet. In dem kleinen Ort gibt es deshalb vor allem Hotels der gehobenen Kategorie und private Nobelvillen. Wer mit der eigenen Jacht nach Porto Cervo kommt, geht in dem exklusiven Jachthafen Porto Cervo Marina vor Anker. Wir hatten uns dort eine kleine zweimastige Segelyacht vom Typ Gin Fizz gechartert und umrundeten mit ihr die Inseln. Die Gin Fizz ist eine Segelyacht, die von Philippe Harlé entworfen und in den Jahren von 1974 bis 1980 vom französischen Hersteller Jeanneau gebaut wurde. Später wurde das Boot auch von Gib'Sea gebaut. Das Schiff ist 11,4 Meter (bzw. 37 Fuß) lang und 3,76 Meter breit. Ein herrliche Zeit, diese Schönheiten der Natur noch ganz ohne Tourismus sehen zu können. Das Hotel Cala di Volpe war auch gerade erst fertig geworden. Wir segelten durch die Inselwelt vor Maddalena nach Bonifacio und weiter in den Norden von Korsika, vorbei an unglaublich tollen Yachten. Small world, schon zu diesen Zeiten: In Ajaccio haben wir dann doch im Hafen tatsächlich einen Klassenkameraden meiner Schwester Ulrike aus unserem kleinen Wohnort Warmbronn bei Leonberg getroffen.
- Uta, Karl-Heinz, Ulrike & Michael Kamm
Karim Aga Khan. Der Milliardär ist göttlicher Abstammung und religiöses Oberhaupt von 15 Millionen ismailitischen Moslems, die vor allem in Pakistan, Indien und Ostafrika leben. 1962 hatte der an westlichen Schulen ausgebildete Prinz beim Segeln die Costa Smeralda entdeckt - Sardiniens Smaragdküste. Damals gehörte sie als buckelnde Granitschönheit mit sanft eingeschmiegten Strandbuchten nur sich selbst. Zu Spottpreisen kaufte Aga Khan Land von den Bauern und entwickelte einen "Master Plan", der die Costa Smeralda innerhalb weniger Jahre in ein Ferienparadies verwandelte. Damit der 55 Kilometer lange Küstenstrich vor baulichen Scheußlichkeiten bewahrt blieb, berief Aga Khan ein "Consorzio" von Architekten und Bauunternehmern mit Geschmack ein. Behutsam wurde die Costa Smeralda mit Hotels, exklusiven Ferienvillen und Yachthäfen bebaut. Porto Cervo, im Norden, entstand am Reißbrett, nie wurden hier Fische entladen. Es avancierte mit Restaurants der Spitzenklasse, Boutiquen, in denen heute alle großen Marken dieser Welt eine Adresse haben, und Orten nächtlichen Vergnügens zum urbanen Zentrum an der Zickzack-Küstenlinie.
Das Abitur in der Tasche, die Zukunft fest im Blick. Nur war mir hier der Aga Khan schon vorausgekommen.
Aga Khan handelte vorausschauend. Er wollte um jeden Preis verhindern, dass Beamtenwillkür und Schlendrian zu Zersiedlung und Massentourismus führten. Aber in den neunziger Jahren geriet er mehr und mehr in einen Machtkampf mit Naturschützern und der Regierung der italienischen Inselregion, bis er sich entnervt zurückzog. Aga Khan hat üppig verdient an seinem Urlaubsdorado für gehobene Ansprüche, aber auch einen Tourismus gefördert, der schon sanft war, bevor man vom sanften Tourismus sprach. Der massive Verdrängungswettbewerb, der auf seine Verdienste keine Rücksicht nimmt, hat ihn verbittert. Ihm diente der Küstenstrich als Installation für seinesgleichen, als Kulisse für den Luxus. Die elitäre Zeit ist abgelaufen, die Costa Smeralda wird egalitär. Dennoch bleibt sie in der Schatztruhe Sardinien - mit dem Meer als in der Sonne funkelndem Smaragd und der Landschaft als ungeschliffenem Diamanten - das teuerste Juwel der Insel.
Wir lassen wir es uns gutgehen. Bräune tanken, die Haare zu Locken drehen und nach und nach die Schrecken des Abiturs vergessen.
Und dann "unser" Schiff in Besitz nehmen, eine Gin Fizz, immer noch ein Mythos für die große Kreuzfahrt.
Es war im Kalten Krieg der siebziger Jahre, als eine größere Weltöffentlichkeit zum ersten Mal durch Aufsehen erregende Bilder aus dem Refugium der Betuchten und Gelifteten auf die Costa Smeralda aufmerksam wurde. Da verschwanden U-Boote von den Radarschirmen der Geheimdienste. Die Kamera verfolgte einen Sportwagen, der eine Küstenstraße entlangraste, vorbei an Felsen, wie sie der Künstler Henry Moore übereinander gestapelt haben könnte. Dann gerieten Swimmingpools ins Bild, Liegestühle mit hübsch gebräunten Körpern, uniform gedresste und servile Kellner, weiträumige Hotelanlagen und schicke Yachten. Aus dem schnellen Flitzer hüpfte Roger Moore, der 1976 als James Bond im Luxushotel "Cala di Volpe" Quartier nahm. Der Film "Der Spion, der mich liebte" war ein Publikumserfolg. 007 weilt nicht mehr an der Costa Smeralda, aber Mick Jagger kommt ebenso gern ins "Cala di Volpe" wie Joe Cocker, Naomi Campbell, Mariah Carey oder US-Schauspieler Denzel Washington. Als König Hussein von Jordanien noch lebte, mietete er gleich einen ganzen Gebäudeflügel mit Suiten für seinen Clan, ebenso afrikanische Potentaten.
Eine der vielen Schönheiten hier im Segelhafen.
Die Inselwelt von La Maddalena steht unter Naturschutz.
Sie ist ein nahezu unberührtes Paradies. Weiße Strände, knorrige Wacholderbäume sowie mediterane Macchia stehen in wunderschönem Farbkontrast zum smaragdgrün und türkisblau schimmernden Meer. Farben wie in der Karibik!
Die Inselwelt will erobert werden! Nur gut, dass hier ein frischer Wind weht.
Bonifacio liegt an der Südspitze Korsikas und ist durch seine Lage hoch auf den weißen Kreidefelsen einer schmalen Landzunge wohl die beeindruckendste Festungsstadt Korsikas. Die Häuser der Altstadt scheinen über dem Abgrund zu schweben, darunter hat das Meer tiefe Grotten in die Sandsteinküste gewaschen, die bei Bootsausflügen erkundet werden können. Nur 12 km breit ist hier die Meerenge von Bonifacio, die Korsika von Sardinien trennt.
Die Häuser der Altstadt scheinen über dem Abgrund zu schweben, darunter hat das Meer tiefe Grotten in die Sandsteinküste gewaschen, die bei Bootsausflügen erkundet werden können. Nur 12 km breit ist hier die Meerenge von Bonifacio, die Korsika von Sardinien trennt.
Ajaccio ist die Hauptstadt der französischen Mittelmeerinsel Korsika. In dieser Hafenstadt an der Westküste der zerklüfteten Insel wurde 1769 der französische Eroberer Napoleon Bonaparte geboren. Der ehemalige Stammsitz der Familie, das Maison Bonaparte, stellt heute als Museum Familienerbstücke aus. In der barocken Kathedrale von Ajaccio aus dem 16. Jahrhundert wurde Napoleon getauft. Hier sind Gemälde von Delacroix und Tintoretto zu bewundern.
Es ist eine gute Idee, auch mal das Schiff zu verlassen und sich von hoch oben einen Überblick über die nächsten Stationen zu verschaffen.
Meine Eltern, sehr schick in ihrem Outfit im Farbkanon der ausgehenden Siebziger Jahre.
Völlig unberührt, zu diesen frühen Zeiten des Sardinien und Korsika Tourismus war das noch ein gängiges Bild.
Die Costa Smeralda wurde dank der Intuition von John Duncan Miller, Vertreter des europäischen Ablegers der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, auch Bank für den Wiederaufbau des Nachkriegseuropas genannt, geboren. John Duncan Miller landete während einer Kreuzfahrt mit seiner Yacht in Cala di Volpe an, um den Stand des Kampfes gegen Malaria in Sardinien zu überprüfen. Er war sofort von der Schönheit der Gegend geblendet. Der Rest ist Geschichte: Nach London zurückgekehrt, sprach er mit einigen Freunden und überzeugt diese, in ein Tourismusprojekt, genannt Costa Smeralda, zu investieren. Die Investoren an der Costa Smeralda waren Aga Khan, Giuseppe Kerry Mentasti (San Pellegrino), Patrick Guinness (Bierbaron), John Duncan Miller selbst und René Podbielski. Das Projekt Costa Smeralda wurde am 14. März 1962 vor dem Notar Mario Altea di Tiempo geboren. Ein Konsortium zur Planung der touristischen Entwicklung von 1800 Hektar Land, zwischen Liscia di Vacca, Porto Cervo, Cala di Volpe, Capriccioli und Romazzino. Die Costa Smeralda ist ein einzigartiges Beispiel der Tourismusentwicklung für die damalige Zeit: Ein Architekturkomitee des Konsortiums musste alle Immobilienprojekte genehmigen. Unter den Architekten, die an den schönen Villen und Hotels der Costa Smeralda beteiligt sind, sind die Namen von Luigi Vietti, Jacques Coulle, Michele Busiri Vici, Savin Coulle, Jean Paul De Marchi zu finden. Der Stil musste streng mediterran sein, mit niedrigen Konstruktionen, einfachen und unregelmäßigen Formen, die der Wind so sehr verlangte, mit Bögen und lokalen Materialien wie Wacholder, Granit und Pastellfarben. Aus architektonischer und landschaftsplanerischer Sicht ist die Costa Smeralda sicherlich ein einzigartiger Fall, der die Küstenlinie erhalten führt und gleichzeitig die natürlichen Eigenschaften der Landschaft bewahrt hat.
Fehler entdeckt, Änderungen & Ergänzungen gewünscht sowie eigene Photos zur Vervollständigung verfügbar? Bitte gerne per Mail an Michael@Kamm.info.