Aufschlag bei Fritz Häring im Midgard Haus – Starnberger Osterlunch mit Hübners in Tutzing – 1989
Am So., 26. März 1989
Den Ostersonntag verbringen Carolina und ich mit Kerstin & Vincent Hübner am Starnbergersee. In Tutzing sind wir zu einem gemeinsamen Mittagessen in Härings Midgardhaus verabredet, dessen Wände mit Photos von Promis zugeplastert sind. Scheinbar waren sie alle da, von Kanzlerin Angela Merkel bis Schauspieler Gerard Depardieu. Fritz Häring, langjähriger Wirt vom Midgardhaus, hat rund 800 Fotos gesammelt, die ihn mit prominenten Gästen zeigen. Könige und Kanzler haben bei Fritz Häring in Tutzing gespeist, zu jeder Berühmtheit weiß er eine Geschichte zu erzählen. Nun räumt er das Midgardhaus nach 32 Jahren aus. Er steht entspannt an seinem "Paradeplatz", wie er die Stelle zwischen den beiden Stehtischen gegenüber der Eingangstür nennt. Hier hat er seine Gäste begrüßt - bis vor eine Woche, als er das Lokal zusperrte. Häring lässt den Blick schweifen über all die Fotos, die ihn mit Prominenten aller Genres zeigen. Die Wände sind voll mit den Bildern, auch an den Wänden des Gangs im Keller, der zu den Toiletten führt, ist kein Quadratzentimeter mehr frei. Das Midgardhaus liegt am Ufer des Starnberger Sees. Das denkmalgeschützte Gebäude gehört der Gemeinde Tutzing. Nun soll die Augustiner-Brauerei das Lokal übernehmen. Geboren wurde er in Taufkirchen an der Vils, die Eltern hatten eine Bäckerei, folglich lernte Häring brav Konditor. "Aber das hat mir nicht getaugt", sagt er, "ich wollte Koch lernen." Gert Käfer, den man damals den Münchner Feinkostkönig nannte, hat ihm imponiert. Wie es seine direkte Art ist, marschierte Häring schnurstracks ins Büro von Käfer, der ihn erst mal fragte, "welches Rindvieh" ihn denn überhaupt hereingelassen habe. Häring bekam den Job. Danach folgten Stationen bei Eckart Witzigmann und Heinz Winkler, damals im Tantris, der Häring haben wollte. "Aber ich bin kein Franzos'", sagt Häring, womit er meint, die französische Nouvelle Cuisine, die damals en vogue war, sei nicht sein Ding. "Ich hab' das alles gelernt, aber meine Soßen waren immer schwer, ich bin kein Kalorienzähler", sagt der 65-Jährige. Sein erstes eigenes Lokal war 1983 die "Schiffsglocke" in Possenhofen, doch Häring griff sofort zu, als er 1987 das Midgardhaus übernehmen konnte. "32 Jahre bin ich dort gewesen", sagt er, und es klingt so, als ob er sich selbst darüber wundern würde. Ob ihm das Aufhören schwer fällt nach gut drei Jahrzehnten? Nein, sagt Häring, "alles hat seine Zeit." Jetzt also Ruhestand.